governance

Governance in der FTI Politik

Gerhardter G., Gruber M. (2010)
Governance als Lernstruktur und Lernkultur in der FTI-Politik. In: Newsletter der Plattform Forschungs- und Technologieevaluierung 34/2010
Wien

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Einleitung

Moderne  Managementtheorien  für  das  staatliche  Handeln  gibt  es  im  Übermaß,  ebenso Empfehlungen und Kommentare dazu, wie gute staatliche Steuerung ablaufen soll. New Public Management  stellt  dabei  die  Effizienz  der  Verwaltung  in  den  Vordergrund,  „Kunden-  und BürgerInnennähe“   werden   propagiert,   Prozesse   sollen   entsprechend   beschleunigt   und vereinfacht  werden.  Public  Governance  geht  einen  anderen  Weg:  es  stellt  die  Frage  nach  der Lösungsfähigkeit  öffentlichen  Handelns,  d.h.  wie  passende  Problemlösungen  effektiv  erreicht werden können.

„Governance“ im FTI-politischen Handlungsfeld richtet somit den Blick auf das Gesamtsystem, d.h.  auf  das  Nationale  Innovationssystem.  Die  zentrale  Frage  lautet:  „Welche  Bedingungen müssen vorhanden sein bzw. geschaffen werden, damit Forschung, Technologie und Innovation bestmöglich zu gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Problemlösungen in Österreich beitragen und  ihr  innovatives  Potenzial  für  die  Zukunft  optimal  entwickeln  können?“  Öffentliches Handeln ist damit weniger „Verwaltung“, sondern wird vielmehr zur „Steuerungsaufgabe“.

Im Bereich Forschung, Technologie und Innovation ändert sich die Wissensbasis rasch. Welche Technologien in fünfzehn Jahren vorrangig benötigt werden, welche Forschungsleistungen der Gesellschaft   in   zwanzig   Jahren   hilfreich   sind   und   auf   welchen   zwischenzeitlichen Entwicklungen  diese  aufsetzen  –  all  dies  ist  in  der  Gegenwart  nicht  bestimmbar,  sondern maximal  abzuschätzen  und  immer  wieder  anzupassen.  Für  die  FTI-Policy  bedeutet  dies  das Eingeständnis,  nicht  mehr  ausreichend  über  internes  Wissen  steuern  zu  können.  Dieses Dilemma  kann  nur  durch  eine  Neustrukturierung  von  Wissenszugängen  aufgelöst  werden. Notwendig  dazu  ist  ein  flexibles  Netzwerk  an  Wissensträgern,  die  ExpertInnenwissen  aus unterschiedlichen    Bereichen    bündeln    und    dabei    unterstützen,    sie    in    FTI-politische Entscheidungen  zu  transferieren.  In  diesem  Sinne  ist  eine  intelligente  Lernstruktur  und Lernkultur  zu  implementieren,  die  nach  dem  Prinzip  verteilter  Intelligenz  der  Vielfalt  der Akteure die Funktion der Wissensbereitsteller gibt.